Niklas – oder: Das Drei Minuten Experiment

Da ich in letzter Zeit bei den meisten Männern nur Pech hatte, fing ich an zu überlegen ob es vielleicht an mir lag. Es schien, als würde ich immer den gleichen Typ Mann an Land ziehen.
Und als auch meine Freunde mir zustimmten, überlegte ich ernsthaft meine Ansprüche runterzuschrauben.
Der Mann den ich traf, sollte natürlich immer noch humorvoll, ehrgeizig und spontan sein, aber ich fing an, nicht nur nach 1,90 cm großen, blonden Surferboys mit Hochschulabschluss zu suchen.

So lernte ich Niklas kennen und im Endeffekt, wünschte ich mir ich wäre doch bei meinem Typ Mann geblieben.
Nach nur wenigen Minuten im Chat, beschlossen wir uns ein wenig über das Telefon kennenzulernen.
Wir redeten drei Stunden lang über Gott und die Welt und nach dem Telefonat war klar, dass wir uns am nächsten Tag sehen würden.
Er war der erste Mann, seit langer Zeit, der mich von Zuhause abholte und mir sogar die Tür seines Autos aufmachte – was ein Gentleman!
Wir fuhren ohne Plan durch die Stadt und hielten irgendwann an einem Restaurant.
Die Autofahrt war wirklich sehr angenehm, durch das lange Gespräch am Vorabend, hatte ich eher das Gefühl einen Freund zu treffen, als tatsächlich ein Date zu haben.
Als wir uns dann endlich bei einem Bier gegenüber saßen merkte ich, dass Niklas mein Gesicht ganz genau musterte.
Mir war das ganze ziemlich unangenehm und so fragte ich ihn, ob etwas nicht stimmte.
Daraufhin hielt er eine lange Rede darüber, wie sehr er es hasste, wenn Frauen zu viel Schminke auftrugen und das Wimperntusche und Labello doch total ausreichten.
Ich war leicht überrascht, nicht das ich übermäßig viel Make-up trug, aber auf allen Bildern von mir hatte man sehen können, dass ich eine Frau war die gerne Lidschatten,Eyeliner und Lippenstift verwendete.
Sollte das mit uns etwas Festes werden, würde das, laut Niklas, der Vergangenheit angehören.
Er informierte sich auch sehr genau über meine Social media Accounts, ich hatte ihm am Abend zuvor meinen Instagram-Namen verraten und das ich mehr als 1000 Follower hatte gefiel ihm gar nicht, denn Frauen die nicht Personen des öffentlichen Lebens waren und trotzdem eine solche Anzahl vorweisen konnten, waren für ihn Frauen, die Instagram nur dafür benutzten um Männer scharf zu machen.
Ab dem Punkt schaltete ich auch schon ab und Niklas war für mich einfach nur ein schlechtes erstes Date.
Was schade war, denn abgesehen von seinen lächerlichen Einstellungen war er eigentlich ein lustiger Typ.
Ein paar Stunden später fuhr er mich Nachhause und als ich es mir gerade in meinem Bett gemütlich machen wollte, klingelte mein Handy: Niklas!
Obwohl für mich feststand, dass dies unser letztes Date gewesen war, telefonierten wir wieder stundenlang miteinander und plötzlich war ich mir gar nicht mehr so sicher ob ich ihn wirklich nicht mehr wiedersehen wollte.
Lag es daran, dass ich momentan nur Nieten an Land zog?
Fand ich es besser einen Mann zu daten, der mich offenbar komplett verändern wollte, als überhaupt keinen zu treffen?
Ich konnte oder wollte mir diese Fragen nicht beantworten, deshalb ignorierte ich die großen Ausrufezeichen in meinem Kopf und traf mich ein paar Tage später zum Filme schauen in seiner Wohnung.
Bei der Frage, ob ich mich denn erstmal abschminken könne, war ich kurz davor die Wohnung zu verlassen, aber mein Drang nach Zweisamkeit war größer und so ließ ich mich auf das Sofa plumpsen.
Obwohl er charakterlich gesehen, wirklich überhaupt nicht zu mir passte, genoss ich seine Berührungen, ich mochte es in seinem Arm zu liegen und seinen Duft zu riechen.
Ich fühlte mich nicht angezogen von Niklas, es reichte mir einfach nur das er ein Mann war.
Dieses erfolglose Dating, hatte wohl auch bei mir Spuren hinterlassen, war es mir nicht mehr möglich allein zu sein?
Die Vorstellung das es so sein könnte, machte mir Angst.
Irgendwann wanderten seine Hände von meinen Oberschenkeln zu meinen Brüsten und wir fingen an uns zu küssen.
Er konnte erstaunlich gut küssen und somit hatte auch ich unfassbar schnell Lust weiterzugehen.
Als er sein T-Shirt auszog wurde meine Lust kurz dadurch gestört, dass er unter seinen Klamotten doch ein wenig molliger und behaarter war, als ich erwartete.
Für mich jedoch kein Grund aufzuhören – zum Glück, denn Niklas wusste genau welche Knöpfe er bei mir drehen konnte und ich freute mich schon auf den eigentlichen Akt.
Dieser dauerte jedoch lediglich drei Minuten!
Bei Niklas galt wohl das Motto: „Große Klappe und nichts dahinter!“

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